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Die Rolle von Führungskräften bei psychologischer Sicherheit

Psychologische Sicherheit entsteht nicht durch Appelle wie: „Bei uns darf jeder alles sagen.“

Entscheidend ist das tatsächliche Verhalten von Führungskräften und Teammitgliedern im Alltag.

Führungskräfte können psychologische Sicherheit fördern, indem sie Lernbereitschaft zeigen, Fragen stellen statt vorschnell Antworten zu geben, unterschiedliche Perspektiven aktiv einladen und auf kritische Rückmeldungen offen reagieren. Dabei geht es nicht darum, jede Meinung unkritisch zu akzeptieren, sondern darum, einen Rahmen zu schaffen, in dem Menschen ihre Sichtweisen ohne Angst vor persönlicher Abwertung oder negativen Konsequenzen einbringen können.

Das klingt einfach, ist in der Praxis jedoch anspruchsvoll. Denn psychologische Sicherheit zeigt sich vor allem dann, wenn unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen.

Wer Mitarbeitende zur Offenheit ermutigt, auf kritische Rückmeldungen jedoch defensiv reagiert oder abweichende Meinungen subtil abwertet, sendet widersprüchliche Signale. Auf Grundlage wiederholter Erfahrungen entwickeln Teams Annahmen darüber, welche Beiträge erwünscht sind und welche Risiken mit Offenheit verbunden sein können.

Psychologische Sicherheit bedeutet daher nicht die Abwesenheit von Konflikten. Vielmehr beschreibt sie ein Umfeld, in dem Fragen, Bedenken, Fehler und unterschiedliche Perspektiven offen angesprochen werden können.

Ein harmonisches Team kann psychologisch sicher sein, es muss es aber nicht. Ebenso kann ein Team mit intensiven Diskussionen, unterschiedlichen Meinungen und konstruktiven Konflikten ein hohes Mass an psychologischer Sicherheit aufweisen.

Gleichzeitig ist psychologische Sicherheit kein Garant für hohe Leistung. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass besonders dann positive Effekte entstehen, wenn psychologische Sicherheit mit klaren Erwartungen, Verantwortungsübernahme und hohen Qualitätsstandards verbunden wird.

Entscheidend ist nicht, ob Menschen immer einer Meinung sind. Entscheidend ist, ob sie ihre Meinung äussern können, ohne persönliche Nachteile befürchten zu müssen.

Vielleicht sollten wir daher weniger fragen, ob in einem Team genügend Harmonie herrscht.

Die wichtigere Frage lautet:

Trauen sich Menschen, ihre Meinung zu sagen, wenn sie unbequem ist?